Pay As You Drive (PAYD) ist eine Form der nutzungsbasierten Versicherung (UBI), bei der die Kfz-Versicherungsprämien primär an die Fahrexposition gekoppelt sind – wie viel, wann und wo ein Fahrzeug genutzt wird.
Im Gegensatz zu traditionellen Tarifmodellen, die stark auf demografische und historische Schadendaten setzen, führt PAYD messbare Exposure-to-Risk-Faktoren in das Underwriting ein. Die Grundidee ist einfach: Je mehr und je risikoreicher ein Fahrzeug genutzt wird, desto höher ist die Exposition gegenüber potenziellen Schäden.
PAYD konzentriert sich auf Nutzungsmuster und nicht auf den Fahrstil. Es beantwortet die Frage: Wie stark ist dieses Fahrzeug im Alltagsbetrieb dem Risiko ausgesetzt?
Wie funktioniert Pay As You Drive?
PAYD-Programme basieren auf Telematik-Technologie zur Messung der realen Fahrzeugnutzung. Daten werden typischerweise erfasst über:
- Smartphone-basierte Telematik
- Eingebettete Fahrzeugsysteme
- OBD- oder IoT-Geräte
- Connected-Car-Plattformen
Die Schlüsselvariablen eines PAYD-Modells können umfassen:
- Gesamtkilometerleistung
- Fahrtenhäufigkeit
- Tageszeit (z. B. Nachtfahrten vs. Fahrten tagsüber)
- Straßentyp (städtisch, ländlich, Autobahn)
- Fahrtdauer
Diese Expositionsindikatoren werden in risikoadjustierte Tarifkomponenten oder Scoring-Elemente übersetzt, die traditionelle versicherungsmathematische Modelle ergänzen.
Empirische Studien zeigen beispielsweise, dass bestimmte Fahrkontexte – wie Kurzstreckenfahrten, lange Fahrten oder Stadtverkehr – mit einem höheren Unfallrisiko verbunden sind. PAYD ermöglicht es Versicherern, diese Unterschiede in der Tariflogik abzubilden.
PAYD vs. PHYD
Pay As You Drive (PAYD) wird häufig zusammen mit Pay How You Drive (PHYD) genannt, aber die beiden Modelle adressieren unterschiedliche Risikodimensionen.
- PAYD konzentriert sich auf die Risikoexposition – wie oft, wie weit und in welchem Kontext ein Fahrzeug genutzt wird.
- PHYD konzentriert sich auf das Fahrverhalten – wie sicher oder aggressiv ein Fahrzeug gefahren wird.
Viele Versicherer kombinieren beide Ansätze, um eine umfassendere und differenziertere Risikobewertung zu erreichen.
Warum PAYD für Versicherer wichtig ist
Die Risikoexposition ist ein grundlegender Treiber der Schadenhäufigkeit. Traditionelle Tarifvariablen erfassen die realen Nutzungsmuster jedoch nicht vollständig.
PAYD ermöglicht Versicherern:
- Zwischen Viel- und Wenigfahrern zu differenzieren
- Risikovariationen zwischen Stadt- und Autobahnnutzung zu erkennen
- Saisonale oder kontextuelle Expositionsunterschiede abzubilden
- Fairness und Transparenz in der Tarifierung zu verbessern
- Risikoarme Fahrer innerhalb ansonsten risikoreicher Segmente zu identifizieren
In wettbewerbsintensiven Kfz-Versicherungsmärkten mit engen Margen kann eine expositionsbasierte Segmentierung messbare Underwriting-Vorteile bieten, ohne die Kerntarifmodelle grundlegend zu verändern.
Dolphin Technologies und die PAYD-Implementierung
Dolphin Technologies unterstützt Versicherer bei der Implementierung expositionsbasierter Modelle durch Smartphone-basierte Telematik und Risikointelligenz-Lösungen.
Mit dem MOVE SDK können Versicherer detaillierte Fahrten- und Mobilitätsdaten direkt in ihren bestehenden mobilen Anwendungen erfassen. Dies umfasst Kilometerleistung, Fahrtdauer, Straßentyp und kontextbezogene Informationen wie Tageszeit oder wetterbezogene Risikoindikatoren.
Für Versicherer, die eine strukturierte expositionsbasierte Scoring-Ebene ohne den Betrieb eines vollständigen Telematikprogramms suchen, umfasst MOVE Score eine Exposure-to-Risk (ETR)-Komponente. Diese quantifiziert, wie und wann ein Fahrzeug genutzt wird, und übersetzt dies in aggregierte Risikointelligenz, die bestehende Underwriting-Modelle ergänzt.
Je nach strategischen Zielen kann PAYD-Logik implementiert werden als:
- Kilometerbasierter Tarif
- Kontextadjustierter Expositionsfaktor
- Scoring-Komponente kombiniert mit Verhaltensindikatoren
Der Fokus liegt nicht nur auf der Messung von Kilometern, sondern auf dem Verständnis aussagekräftiger Expositionsmuster, die die Schadenhäufigkeit und Portfoliostabilität beeinflussen.