Nicht jedes Projekt dreht sich um Skalierung oder langfristige Plattformen. Manche Kooperationen sind wichtig, weil sie einen Wendepunkt markieren – intern, kulturell oder strategisch. Die Zusammenarbeit von Dolphin im Jahr 2017 mit Ö3, Österreichs größtem Radiosender, war ein solcher Moment.
Damals wurde die Diskussion über Verkehrssicherheit von Aufklärungskampagnen und Strafen dominiert. Jeder wusste, dass Ablenkung am Steuer gefährlich ist, dennoch änderte sich das Verhalten auf der Straße kaum. Die Ö3-Kooperation entstand aus einer einfachen, aber herausfordernden Frage: Was wäre, wenn wir aufhörten, die Menschen zur Vorsicht zu ermahnen, und stattdessen Anreize gestalteten, die sich für sichereres Verhalten belohnend anfühlen?
Warum Ö3 der richtige Partner war
Ein entscheidender Teil der Zusammenarbeit war nicht nur das Experimentieren, sondern die Reichweite. Zum Zeitpunkt des Starts der Zusammenarbeit hatte Dolphins goSmart-App – eine frühe Consumer-App, die darauf ausgerichtet war, sicheres Fahren zu belohnen – bereits rund 40.000 aktive Nutzer.
Ö3 spielte eine Schlüsselrolle dabei, die Lücke zwischen einer vielversprechenden Technologie und einer breiten Öffentlichkeit zu schließen. Durch die Bewerbung von goSmart im Radio trug Ö3 dazu bei, die Idee des Belohnens von sicherem Fahren in die Mainstream-Diskussion zu bringen – weit über Early Adopters oder technikaffine Nutzer hinaus.

Das war wichtig, weil goSmart nicht als Versicherungsprodukt positioniert war. Es war eine eigenständige Consumer-App, die testen sollte, ob Anreize, Feedback und alltägliche Belohnungen das Fahrverhalten in der Breite beeinflussen können. Die Unterstützung durch Ö3 verlieh dem Konzept Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit – in einer Phase, in der verhaltensbasierte Ansätze den meisten Fahrern noch unbekannt waren.
Die App selbst ist heute nicht mehr verfügbar, doch ihre Rolle als Testfeld war bedeutend. Sie zeigte, dass sich zigtausende Fahrer freiwillig auf ein belohnungsbasiertes Sicherheitskonzept einließen – eine Erkenntnis, die später prägte, wie Dolphin an versicherungsgestützte Telematikprogramme heranging.
Ö3 erreicht täglich Millionen von Menschen. Als größter Radiosender Österreichs hat es eine einzigartige Position: vertrauenswürdig, vertraut und tief im Alltag verankert – einschließlich der Zeit im Auto.
Das machte Ö3 zu einem natürlichen Partner, um Verkehrssicherheit jenseits traditioneller Kampagnen zu erkunden. Ziel war es nicht, Fahrer zu belehren oder furchtbasiertes Messaging zu verstärken, sondern zu testen, ob positive Verstärkung alltägliche Fahrgewohnheiten in großem Maßstab beeinflussen kann.
Für Dolphin bot diese Zusammenarbeit etwas ebenso Wertvolles: Zugang zu einem breiten, nicht-technischen Publikum. Wenn eine Idee bei Ö3-Hörern Anklang fand, hatte sie auch außerhalb versicherungsgetriebener Telematikprogramme eine Chance.
Von Sensibilisierung zu Anreizen
Die Kernidee der Zusammenarbeit war bewusst einfach. Statt sich auf Verstöße oder Strafen zu konzentrieren, belohnte die Initiative Fahrer dafür, nicht einen der häufigsten Risikofaktoren im Straßenverkehr zu bedienen: Smartphone-Ablenkung.
Dieser Ansatz stellte eine tief verwurzelte Annahme in der Verkehrssicherheit infrage – nämlich, dass Bestrafung der wichtigste Hebel für Veränderung ist. Verhaltensforschung deutete auf das Gegenteil hin: Gewohnheiten ändern sich eher, wenn gutes Verhalten unmittelbar und konsequent anerkannt wird.
Die Ö3-Zusammenarbeit ermöglichte es Dolphin, diese Hypothese in einem realen Umfeld zu testen – außerhalb von Underwriting-Modellen oder Versicherungsverträgen.
Ein konkretes Feature: Erkennung und Kommunikation von Staudynamiken
Eines der greifbarsten Elemente der Ö3-Kooperation war der Einsatz von Dolphins goSmart-App, um zu verbessern, wie Staus erkannt und an Fahrer kommuniziert wurden.
Durch die Aggregation anonymisierter Mobilitätsdaten teilnehmender Nutzer konnte die App nicht nur das Vorhandensein eines Staus erkennen, sondern auch zwei kritische Momente, die in der traditionellen Verkehrsmeldung oft fehlen:
- Die Entstehung eines Staus (wo sich die Überlastung aufbaut)
- Die Auflösung eines Staus (wo der Verkehr wieder ins Fließen kommt)

Diese Informationen flossen in die Verkehrsreporting-Workflows von Ö3 ein und wurden nahezu in Echtzeit per Radio ausgestrahlt. Statt statischer oder verzögerter Meldungen erhielten Hörer präzisere Hinweise darauf, wann und wo Staus entstanden – oder sich auflösten.

Die Wirkung war eher praktisch als spektakulär. Fahrer konnten Routen meiden, auf denen sich gerade Staus bildeten, unnötiges Bremsen und Stop-and-Go-Fahren reduzieren und ihr Verhalten früher anpassen. Aus Sicherheitssicht war das relevant: Ein gleichmäßigerer Verkehrsfluss reduziert Auffahrunfälle, Folgeunfälle und stressgetriebene Fahrentscheidungen.
Wichtig ist, dass dieses Feature ein übergeordnetes Prinzip veranschaulichte, das später zentral für Dolphins Arbeit wurde: Prävention ist am effektivsten, wenn Informationen Menschen zum richtigen Zeitpunkt über Kanäle erreichen, denen sie bereits vertrauen.
Was wir aus der Zusammenarbeit gelernt haben
- Alleinige Sensibilisierung reicht nicht
Fahrer wissen bereits, dass Ablenkung am Steuer gefährlich ist. Die Botschaft zu wiederholen verändert wenig, wenn die zugrunde liegenden Anreize unverändert bleiben. - Timing ist wichtiger als Erklärungen
Feedback und Belohnungen wirken am besten, wenn sie eng an das Verhalten selbst geknüpft sind. Verzögerte Konsequenzen – ob Bußgelder oder abstrakte Warnungen – beeinflussen selten Entscheidungen im Moment. - Positive Verstärkung senkt Widerstand
Die Rahmung von Verkehrssicherheit über Belohnungen statt Kontrolle verringerte Skepsis und Abwehrhaltung. Teilnehmer waren eher bereit, sich zu engagieren, wenn sich die Initiative unterstützend statt verurteilend anfühlte. - Skalierung bringt Realismus
Die Zusammenarbeit mit einem Massenmarkt-Partner wie Ö3 legte die Lücke zwischen theoretischen Modellen und der Nutzung im Alltag offen. Nicht jeder Nutzer wird durch dieselben Belohnungen motiviert, und Einfachheit schlägt oft Raffinesse.
Wie dies Dolphins spätere Arbeit beeinflusste
Die Ö3-Zusammenarbeit wurde kein langfristiges Consumer-Produkt – und das war auch nicht beabsichtigt. Ihr Wert lag darin, was sie Dolphin über verhaltensgetriebene Prävention lehrte.
Viele der in dieser Phase erprobten Prinzipien tauchten später in strukturierteren Kontexten wieder auf:
- Anreize statt Bestrafung
- Fokus auf spezifische Verhaltensweisen statt abstrakter Scores
- Prävention vor dem Schaden, nicht danach
- Engagement-Modelle, die die Autonomie der Nutzer respektieren
Diese Ideen wurden grundlegend, als Dolphin seine Arbeit mit Versicherern, Mobilitätspartnern und Telematikplattformen ausbaute.
Warum diese Zusammenarbeit weiterhin wichtig ist
Aus heutiger Perspektive lässt sich das Ö3-Projekt als frühes Signal für einen breiteren Wandel in Versicherung und Mobilität sehen: von reaktiver Risikobewältigung zu proaktiver Risikoreduktion.
Es zeigte, dass sicheres Fahren nicht nur eine Frage von Information oder Durchsetzung ist, sondern davon, Systeme so zu gestalten, dass sie mit tatsächlichem menschlichem Verhalten übereinstimmen. Diese Erkenntnis ist heute ebenso relevant – sei es in Versicherungs-Apps, Risikoscores oder kontextuellen Warnungen.
Rückblickend ging es bei der Zusammenarbeit mit Ö3 weniger um Technologie als um Haltung. Sie half, eine Überzeugung zu schärfen, die Dolphins Arbeit bis heute leitet: Wenn man Unfälle reduzieren will, muss man mit menschlichem Verhalten arbeiten, nicht dagegen.