Versicherungsrisiko war noch nie nur eine Frage dessen, wer ein Fahrer ist. Ebenso geht es darum, wann, wo und wie oft ein Fahrzeug tatsächlich genutzt wird. Dennoch stützen sich die meisten Kfz-Versicherungsmodelle weiterhin stark auf statische Proxy-Merkmale, die diese Dimension nur unzureichend erfassen.
Exposure to Risk (ETR) schließt diesen blinden Fleck. Als Bestandteil des MOVE Score von Dolphin liefert ETR eine praxisnahe, datengetriebene Sicht auf die tatsächliche Fahrzeugnutzung – ohne dass Versicherer vollständige Telematikprogramme betreiben oder Rohdaten zur Mobilität verarbeiten müssen.
Anstatt aktuarielle Modelle zu ersetzen, ergänzt ETR sie um eine fehlende Kontextschicht: tatsächliche Exposition.
Warum Exposition wichtiger ist als Demografie
Traditionelle Underwriting-Variablen wie Alter, Postleitzahl oder Fahrzeugtyp sind weiterhin nützlich – doch es sind indirekte Indikatoren. Zwei Fahrer mit identischen Profilen können stark unterschiedliche Risiken aufweisen, nur weil sie ihre Autos unterschiedlich nutzen.
Exposure to Risk konzentriert sich auf diesen Unterschied, indem es Fahrqualität von kumulativer Exposition trennt. Es betrachtet, wie stark ein Fahrzeug genutzt wird, unter welchen Bedingungen und zu welchen Zeiten – und erfasst dabei Muster, die die Unfallwahrscheinlichkeit maßgeblich beeinflussen.
Ein einfaches Gedankenexperiment verdeutlicht, warum Exposition so wichtig ist: Stellen Sie sich einen sehr disziplinierten, regelkonformen Fahrer vor, der 1.000 Fahrten pro Jahr unternimmt, überwiegend im dichten Stadtverkehr. Vergleichen Sie das mit einem offensichtlich riskanteren Fahrer, der nur einmal im Jahr fährt. In traditionellen Modellen kann der Vielfahrer anhand von Demografie und angenommenem Verhalten dennoch als der „bessere“ Kunde erscheinen. Aus einer expositionsbasierten Perspektive kann jedoch das Gegenteil zutreffen. Der zweite Fahrer ist dem Risiko nur einmal ausgesetzt, während der erste ihm Hunderte oder Tausende Male ausgesetzt ist.
Beispiele für expositionsbezogene Risikofaktoren sind:
- Gesamtfahrleistung und Fahrtenhäufigkeit
- Kurzfahrten gegenüber Langstreckenfahrten
- Tageszeit und tägliche Fahrgewohnheiten
- Straßentypen wie Stadt-, Land- oder Autobahnumgebungen
Diese Faktoren korrelieren stark mit dem Schadenrisiko, sind in traditionellen Tarifmodellen jedoch weitgehend unsichtbar.
Wie ETR im MOVE Score funktioniert
Im MOVE Score ist Exposure to Risk eine von zwei komplementären Komponenten neben dem Fahrverhalten (MOVE IQ). Während sich MOVE IQ darauf konzentriert, wie ein Fahrzeug gefahren wird, beantwortet ETR eine andere Frage: wie stark ein Fahrzeug überhaupt einem Risiko ausgesetzt ist.
ETR bündelt nutzungsbezogene Signale wie Fahrleistung, Fahrtdauer und Straßenkontext zu einer einzigen, standardisierten Expositionskennzahl. So können Versicherer Fahrzeuge unabhängig von einzelnen Fahreridentitäten auf vergleichbarer Basis bewerten.
Was Versicherer durch expositionsbasierte Risikoeinblicke gewinnen
Die Ergänzung um expositionsbasierte Risikointelligenz ermöglicht es Versicherern, Entscheidungen in Bereichen zu schärfen, in denen die Margen knapp sind und Durchschnittswerte nicht mehr ausreichen.
Typische Anwendungsfälle sind:
- Identifizierung von Fahrzeugen mit geringerem Risiko innerhalb traditionell risikoreicher Segmente
- Erkennung verborgener Expositionsrisiken in Portfolios, die auf dem Papier stabil erscheinen
- Verbesserung der Preisschärfe, ohne die Modellkomplexität zu erhöhen
- Unterstützung einer faireren, nutzungsorientierten Risikosegmentierung
Da ETR die reale Nutzung statt Annahmen abbildet, hilft es Versicherern, von proxy-basierten Risikoabschätzungen zu evidenzbasierter Differenzierung überzugehen.
Von der Messung der Exposition zur Beeinflussung des Risikos
Exposure to Risk ist nicht nur ein Underwriting-Input. Im Kern erfasst es das schiere Ausmaß des eingegangenen Risikos – wie oft ein Fahrzeug auf der Straße ist und wie viele Kilometer es tatsächlich zurücklegt.
Das ist wichtig, weil sich die Unfallwahrscheinlichkeit mit jeder Fahrt und jedem Kilometer aufsummiert. Selbst hervorragendes Fahrverhalten kann eine hohe und dauerhafte Exposition nicht vollständig ausgleichen. Indem ETR Fahrtenhäufigkeit und Kilometerleistung explizit macht, ermöglicht es Versicherern, zwischen Fahrern zu unterscheiden, die selten einem Risiko ausgesetzt sind, und solchen, die ihm Tausende Male pro Jahr begegnen.
In Kombination mit Präventions- und Engagement-Fähigkeiten lassen sich diese Expositions-Einblicke auch zur Beeinflussung des Risikos nutzen. Da Unfälle sich in bestimmten Situationen häufen – etwa bei sehr kurzen Fahrten oder bestimmten Straßentypen – können Versicherer gezielte Kommunikation, Aufklärung oder Anreize einsetzen. So kann dasselbe Expositionssignal, das die Preisschärfe verbessert, auch eine sicherere Mobilität unterstützen, ohne Kernmodelle zu verändern oder neue Kundenprogramme einzuführen.