Für viele Versicherer fühlt sich Telematik noch immer wie eine Alles-oder-nichts-Entscheidung an. Ein vollständiges Programm starten, eine App entwickeln oder kaufen, tief in die Kernsysteme integrieren, erhebliche Budgets binden – und hoffen, dass Kunden es tatsächlich annehmen.
Diese Wahrnehmung hat die Telematik-Einführung seit Jahren verlangsamt. Nicht, weil Versicherer am Wert der Telematik zweifeln, sondern weil die wahrgenommenen Kosten, die Komplexität und die organisatorischen Auswirkungen im Verhältnis zur anfänglichen Unsicherheit unverhältnismäßig erscheinen.
Die Realität ist einfacher und deutlich weniger riskant.
Telematik erfordert keine Big-Bang-Transformation, um Wert zu liefern. Versicherer können klein anfangen, selbst wählen, wie tief sie integrieren möchten, und intern entscheiden, wer den ersten Schritt führt – Produkt, IT, Innovation oder sogar ein externer Partner. Anstatt einer irreversiblen Entscheidung wird Telematik zu einer Reihe kontrollierter Einstiegspunkte.
Dieser Pilot-first-, wahlgetriebene Ansatz macht Telematik aus einem riskanten Transformationsprojekt eine Reihe risikoarmer Experimente – darauf ausgelegt, schnell Erkenntnisse zu generieren und erst zu skalieren, wenn der Wert belegt ist.
Warum Versicherer zögern: Kosten, Komplexität und Adoptionsrisiko
Bevor sie Telematik starten, äußern die meisten Versicherer die gleichen Bedenken:
- Hohe Kosten: Individuelle Apps, Hardware-Geräte und lange IT-Projekte können Budgets schnell eskalieren lassen.
- Technische Komplexität: Die Integration von Telematik in Underwriting, Tarifierung oder Schadenbearbeitung wirkt disruptiv.
- Adoptionsrisiko: Laden Kunden die App wirklich herunter, lassen sie Berechtigungen aktiviert und bleiben sie aktiv?
Diese Bedenken sind berechtigt – wenn Telematik als großer, monolithischer Rollout angegangen wird.
Eine Pilot-first-Strategie definiert das Problem neu.
Pilot-first-Telematik: Risiko auf jeder Ebene senken
Ein Telematik-Pilot ist keine „Mini-Version“ eines vollständigen Programms. Er ist eine bewusste Designentscheidung mit Fokus auf Lernen.
Mit einem Pilotprojekt können Versicherer:
- Finanzielles Risiko begrenzen, indem sie mit einer kleinen Nutzerbasis starten
- Organisatorische Reibung reduzieren, indem sie großflächige Veränderungen zunächst vermeiden
- Kundenakzeptanz validieren, bevor sie sich auf langfristige Investitionen festlegen
- Echten Geschäftseinfluss testen, nicht nur die technische Machbarkeit
Anstatt Annahmen intern zu diskutieren, können Teams reales Verhalten in realen Portfolios beobachten.
Warum Smartphone-Telematik die Time-to-Value beschleunigt
Einer der größten Enabler für Pilot-first-Telematik ist der Wechsel von Hardware zu Smartphones.
Smartphone-basierte Telematik beseitigt mehrere traditionelle Hürden:
- Keine Installationslogistik oder Gerätekosten
- Schnellerer Rollout über Märkte und Segmente hinweg
- Geringere Reibung für Kunden, die bereits mobile Apps nutzen
- Einfachere Iteration und Feature-Anpassung während der Pilotphase
Für Versicherer bedeutet das, dass Piloten in Wochen – nicht Jahren – gestartet werden können und Telematik so zu einer Lernschleife statt zu einer langfristigen Wette wird.
Klare KPIs definieren, bevor Sie skalieren
Der Zweck eines Telematik-Piloten ist nicht „Telematik zu haben“. Er besteht darin, konkrete geschäftliche Fragen zu beantworten.
Vor dem Start definieren erfolgreiche Versicherer eine kleine Menge klarer KPIs, zum Beispiel:
- Risk Lift: Verbessert Telematik die Risikodifferenzierung im Vergleich zu traditionellen Modellen?
- Schadenwirkung: Gibt es frühe Signale für eine geringere Schadenhäufigkeit oder -schwere?
- Engagement: Halten Kunden die App aktiv und reagieren sie auf Feedback oder Anreize?
- Operativer Aufwand: Wie viel interner Aufwand ist nötig, um den Piloten zu betreiben und zu warten?
Diese Kennzahlen schaffen eine faktenbasierte Grundlage für Skalierungsentscheidungen – und erleichtern die interne Zustimmung erheblich.
Geschäftliche Ergebnisse eines kleinen Starts
Versicherer, die einen Pilot-first-Ansatz wählen, sehen konsistent drei Vorteile:
Schnellere Lernzyklen
Statt jahrelang auf Ergebnisse zu warten, erhalten Teams innerhalb von Monaten umsetzbare Erkenntnisse.
Geringeres Investitionsrisiko
Budgets orientieren sich am nachgewiesenen Wert, nicht an Annahmen.
Leichtere interne Abstimmung
Reale Pilotdaten ersetzen abstrakte Debatten zwischen Underwriting-, IT- und Produktteams.
Telematik wird zu einem Business-Tool – nicht zu einem Sprung ins Ungewisse.
Verschiedene Wege, mit Telematik zu starten: Wählen Sie Ihren Integrationsgrad
Eine Pilot-first-Strategie funktioniert am besten, wenn Versicherer Telematik auf unterschiedlichen Ebenen starten können, je nachdem, wer die Initiative führt (Produkt, IT, Innovation), wie viel sie selbst bauen möchten und wie viel operative Verantwortung sie übernehmen wollen.
Statt einer linearen Roadmap stellen diese Optionen unterschiedliche Einstiegspunkte und Integrationsintensitäten dar. Versicherer können eine wählen, mehrere kombinieren oder je nach Bedarf zwischen ihnen wechseln.
Option 1: Telematik in Minuten erleben (MOVE Pilot)
Der schnellste Einstieg ist, einfach die MOVE-Pilot-App herunterzuladen.
- Echte Smartphone-Telematik sofort erleben
- Optional ein MOVE-SDK-Pilotprojekt aktivieren
- Mit internen Nutzern oder einer kleinen externen Gruppe testen
- Eigene Farben, Schriften wählen und Ihr Logo hochladen für ein gebrandetes Pilot-Erlebnis
- Fahrten, Scores und Signale Ihrer Testgruppe im MOVE-Dashboard ansehen
Diese Option ist ideal für Produkt-, Innovations- oder Business-Teams, die Telematik sehen und erleben, die User Experience validieren und reale Daten erkunden möchten – ohne Integrations- oder Entwicklungsaufwand.
Option 2: Zuerst technische Validierung (SDK-Boilerplate, ~30 Minuten)
Einige Versicherer beginnen lieber auf der IT-Seite, bevor sie Produkt- oder Business-Teams einbeziehen.
- Im MOVE-SDK-Dashboard registrieren
- Eine einfache Boilerplate-App mithilfe unserer Dokumentation und Beispielcode implementieren
- Von der Entwicklerregistrierung bis zur ersten bewerteten Fahrt in ~30 Minuten (Ziel-Benchmark)
Das Ziel ist hier nicht optischer Feinschliff, sondern technische Sicherheit: zu verstehen, wie einfach sich das SDK integrieren lässt, wie sauber die APIs sind und wie gut Dokumentation und Beispielcode sind. Wichtig: Das ist keine Wegwerf-Demo – es ist ein echter erster Integrationsschritt, um das MOVE-SDK in eine individuell entwickelte App oder eine bestehende Versicherer-App einzubetten.
Option 3: Eigene Telematik-App bauen oder erweitern (MOVE SDK)
Für Versicherer, die volle Produktverantwortung wollen, ermöglicht das MOVE-SDK:
- Vollständig individuelle Telematik-Apps oder Integration in bestehende Versicherer-Apps
- Fortgeschrittene Use Cases wie Coaching, Rewards, Risikoprävention, FNOL und Engagement
- Schrittweiser Rollout nach Markt, Segment oder Use Case
Hier wird Telematik zu einer zentralen Produktfähigkeit, die sich über die Zeit weiterentwickeln kann – ohne einen Big-Bang-Rollout zu erzwingen.
Option 4: Implementierung und Betrieb auslagern
Manche Versicherer entscheiden früh, dass sie keine Telematik-App selbst bauen oder betreiben möchten.
In diesem Fall können wir einige oder alle Aufgaben übernehmen, darunter:
- Strategie und Use-Case-Definition
- UX, App-Entwicklung und Integration
- Analytics, Scoring und Dashboards
- Betrieb, Monitoring und kontinuierliche Optimierung
Diese Option ermöglicht es Versicherern, den Telematik-Wert zu heben und gleichzeitig interne Komplexität und operativen Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren.
Klein starten. Mit Zuversicht skalieren.
Erfolg mit Telematik hängt nicht davon ab, wie groß Sie starten – sondern davon, wie intelligent Sie lernen.
Indem Sie den richtigen Einstiegspunkt wählen, das Risiko niedrig halten und erst skalieren, wenn der Wert belegt ist, können Versicherer Telematik Schritt für Schritt erschließen – ohne ihr Kerngeschäft zu stören.